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Was in diesen Tagen im Kindergarten der evangelischen Kirchengemeinde Bischoffingen zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht werden kann, war für alle Beteiligten keineswegs alltäglich.
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Sandra B. eine junge, an Mukoviszidose erkrankte Frau mit einem amtlich anerkannten Schwerbehindertengrad von 90 Prozent, suchte seit Monaten intensiv, aber vergeblich eine Stelle als Anerkennungspraktikantin in ihrem Wunschberuf als Erzieherin. Dabei gestattet Ihre gesundheitliche Einschränkung lediglich eine 50%- Teilzeitarbeitsstelle; nach den Berufsausbildungsvorschriften müsste sie deshalb anstatt einem Jahr ein zweijähriges Anerkennungspraktikum absolvieren. Schließlich fragte sie auch im Kindergarten der evangelischen Kirchengemeinde ihres Wohnorts Bischoffingen an, wohl wissend, dass dort eigentlich gar keine Praktikantenstelle frei ist. Auch das Arbeitsamt konnte ihr bisher nicht weiterhelfen. Es war Juli 2005, die Sommerferien werden in wenigen Tagen beginnen.
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Die Kindergartenleiterin informierte den Gemeindepfarrer und den Kirchengemeinderat. Die finanzielle Situation der Kirchengemeinde ist ausgesprochen problematisch, hatte man doch eben erst mittels eines Härtestockzuschusses der Landeskirche mühsam den Haushaltsplan ausgleichen können. Und was ein Praktikum an zusätzlichen Kosten mit sich bringt, weiß jeder, der in der Gemeindeleitung steht. Gleichwohl würde die Kirchengemeinde gerne helfen und sieht sich in einer hohen moralischen Pflicht. Man will nicht nur mit Bedauern diese junge Frau ihrem Schicksaal überlassen. Eine Chance hat man nicht, aber man will sie zu nutzen versuchen.
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Der Kirchengemeinderatsvorsitzende nimmt umgehend mit dem Geschäftsführer des Evangelischen Verwaltungs- und Serviceamtes (VSA) Emmendingen Kontakt auf und findet offene Ohren und ein mitfühlendes Herz. Die voraussichtlichen Kosten für ein solches zweijähriges Teilzeitpraktikum werden sorgfältig durchkalkuliert und dann beginnen die Telefondrähte zu glühen.
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Bei der Agentur für Arbeit Freiburg wird eine kleine Sonderabteilung für die Integration schwerbehinderter Menschen ins Arbeitsleben ausfindig gemacht. Der Sachgebietsleiter und seine beiden Mitarbeiterinnen bemühen sich erkennbar als die Bischoffinger Kirchengemeinde grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, den Praktikantenplatz zu schaffen, sofern die Finanzierbarkeit dieser Arbeitsstelle gewährleistet werden kann. Nach mehreren Tagen engagierter Verhandlungen und amtsinterner Abstimmungsgespräche signalisierte die Agentur für Arbeit Freiburg eine Personalkostenbezuschussung von 80%, falls der Ausbildungsvertrag zustande kommt. Doch die verbleibenden 20% bedeuten für die kleine Kirchengemeinde mit nur knapp 600 Gemeindegliedern noch immer eine nicht unerhebliche Geldsumme.
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Der ebenfalls angesprochene Lions Club Kaiserstuhl-Tuniberg zeigt sich ebenfalls erfreulich aufgeschlossen, obgleich er nahezu wöchentlich anderweitig um finanzielle Hilfen gebeten wird. Präsident Gerhard Leon aus Endingen kann nach wenigen Tagen ebenfalls einen namhaften Finanzzuschuss, verteilt auf zwei Jahre, zusagen.
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Der Kirchengemeinderat kommt in den Sommerferien zu einer Sondersitzung zusammen. Man ist sich des verbleibenden finanziellen Risikos durchaus bewusst, beschließt aber nun doch einstimmig: Wir wollen Sandra B. den Abschluss ihrer Berufsausbildung ermöglichen, auch im Bewusstsein, dass die Kirchengemeinde unter Umständen ein finanzielles Defizit übernehmen muss.
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Inzwischen hatte der VSA-Geschäftsführer beim Oberkirchenrat in Karlsruhe den Sachverhalt geschildert und eine bravouröse Überzeugungsarbeit geleistet. Auch alle VSA-Mitarbeiter/ -innen fieberten förmlich mit, ob dieses Vorhaben gelingen würde. Wir haben dies mit großer Dankbarkeit registriert. Grundsätzlich reagierte die Landeskirche positiv auf dieses Vorhaben. In Bischoffingen war auch nachvollziehbar, dass man sich angesichts der finanziellen Situation der Kirchengemeinde zunächst aber doch eher etwas verhalten zeigte. Schließlich war man vor Ort ja selber noch nicht vollends von der eigenen Courage überzeugt. Würde die Finanzierung der Praktikantenstelle aus eigener Kraft gelingen, so werde Karlsruhe diese Praktikantenstelle ausnahmsweise genehmigen – lautete schließlich der EOK-Bescheid.
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Der Kirchengemeinderat reagierte umgehend und initiierte über die Badische Zeitung und den Kaiserstühler Wochenbericht eine Spendenaktion. Da in der kleinen Kaiserstuhlgemeinde finanzkräftige Sponsoren eher spärlich gestreut sind, sah man die Erfolgsperspektiven durchaus realistisch. Gleichwohl konnte bis zum Frühjahr 2006 der fehlende Geldbetrag durch das Spendenaufkommen knapp realisiert werden. Neben zahlreichen Privatpersonen aus Bischoffingen und umliegenden Orten sowie einigen Vereinen beteiligte sich auch die Badische Zeitung mit einer Zuwendung aus ihrer Aktion Weihnachtswunsch.
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Was niemand zu hoffen gewagt hatte, war jetzt Realität geworden. Die große Solidarität von vielen Menschen bewirkte, was zunächst als Unmöglichkeit angesehen werden musste.
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Und das Resultat?
Natürlich wurden unmittelbar nach den Sommerferien die Kindergarteneltern in einem Elternabend ausführlich informiert. Auch hier waren sich nach eingehender Information über die Krankheit Mukoviszidose alle erfreulich rasch einig. Da für die Kinder keinerlei Ansteckungsgefahren bestanden, erklärten sich die Eltern ausnahmslos solidarisch.
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Sandra B. hat sich im Kindergartenalltag erfreulich rasch und mit großem Engagement eingearbeitet. Trotz ihrer bis heute als unheilbar geltenden Krankheit fehlte die junge Praktikantin nur wenige Tage gesundheitsbedingt. Die Kinder lieben sie ausnahmslos, die Eltern bringen ihr aufgrund ihrer vielfach bewiesenen hohen fachlichen Kompetenz ebenso uneingeschränktes Vertrauen entgegen, wie auch die Kolleginnen vom Erzieherinnen-Team.
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Nach eigener Aussage hat sich Sandra B. in den zurückliegenden beiden Jahren im Bischoffinger Kindergarten absolut wohl gefühlt und den Verantwortlichen der Kirchengemeinde mit ihrer freundlich-bescheidenen, aber überaus kompetenten und engagierten Mitarbeit viel Freude bereitet. Jetzt belohnt sie sich selbst mit einem sehr guten Ausbildungsabschluss. So fällt es nun richtig richtig schwer, sie zum Ende ihrer Praktikantenzeit im August 2007 zu verabschieden. Allen Beteiligten bleibt aber ein ausgeprägtes Gefühl der Genugtuung und Freude, dass dieses Vorhaben so uneingeschränkt gut gelungen ist.
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Dem Kirchengemeinderat und Gemeindepfarrer Werner Häfele bleibt, Sandra B. für die Zukunft alles erdenklich Gute und Gottes reichen Segen zu wünschen, sowie allen, die zum Gelingen dieses besonderen Vorhabens beigetragen haben, sehr herzlich für ihre praktizierte Solidarität zu danken. Ein ganz besonderer Dank gilt dem Geschäftsführer des VSA und seinem ganzen Mitarbeiter-/innen-Team für eine beispielgebende Solidarität und Unterstützung, ohne die ein solches „Happy end“ wirklich nicht möglich gewesen wäre.
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